Spoga’s Weblog


Das Führerschein-Debakel
4 September 2008, 5:00
Gespeichert unter: Anekdoten

Dinge, die mir zum amerikanischen Führerschein einfallen:

- kostet fast nix

- die Theorie-/Praxisprüfung ist ein Witz

Den ersten Punkt kann ich bestätigen (ist, wenn nichts schiefläuft, zumindest in Massachusetts für $90 zu haben, es sei denn man ist unter 18 Jahre alt, dann ist alles etwas anders, aber dazu später mehr). Den zweiten Punkt kann ich nur bedingt bestätigen. Eigentlich ist die Theorieprüfung ein Witz, lachen kann man darüber auch, ich allerdings erst jetzt (nachdem ich sie im 2. Versuch bestanden habe!!!). Tja, für meine Harvardprüfungen werde ich mich jedenfalls besser vorbereiten…

Um etwas Klarheit in die Sache zu bringen, beginne ich die Geschichte letzte Woche Mittwoch Abend. Da habe ich mir ca. eine Stunde Zeit genommen um mir aus einem 160 seitigen PDF die 30 Seiten, die die amerikanischen Verkehrsregeln betreffen, durchzulesen. Es gibt da ja doch den einen oder anderen Unterschied: 4-way-stops, Fahrbahnmarkierungen, das Abbiegen an roten Ampeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen, etc. Nachdem ich mir ein paar Beispielfragen durchgelesen habe, dachte ich, dass ich ganz gut vorbereitet wäre. Übrigens muss man hier von 20 Fragen nur 14 richtig beantworten und hat für den Test 20 Minuten Zeit. Donnerstag Morgen also endlich Mal wieder beim RMV in die Schlange gestellt (das ist das Amt mit dem freundlichsten Personal in ganz Amerika) und dann nach ca. einer Stunde habe ich endlich vor einem der PCs gesessen, an denen man den Test bestreiten darf. Tja. 20 Fragen später hatte ich leider die letzte Frage falsch beantwortet (das waren dann 7 von 20 falsch) und bin durch den sagenumwobenen amerikanischen Theorietest durchgefallen… Stand sozusagen kurz davor mein Master-/PhD-Studium gar nicht erst anzutreten…

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass mir nicht bewusst war, dass man für die Theorieprüfung hier wissen muss, welche Strafen auf einen zukommen in allen möglichen Situationen (in die man eigentlich gar nicht erst geraten sollte). Nicht dass man nur die einen betreffenden Strafen genau kennen muss, nein man muss auch die Strafen für die 16,5-18 Jahre alten Fahranfänger wissen, für die alle Strafen höher ausfallen. Um das ganze etwas zu veranschaulichen hier ein paar Fragen:

Wieviel $ Strafe zahlt man, wenn im Auto eine 12-16 jährige Person sitzt, die nicht angeschnallt ist?

Wie lange wird einem 16,5-18 Jahre alten Fahrer der Führerschein entzogen, wenn er innerhalb der ersten 6 Monate nach der praktischen Prüfung einen Insassen im Fahrzeug hat, der jünger als 18 Jahre ist? (ja, wer hier den Führerschein unter 18 macht, darf die ersten 6 Monate niemanden unter 18 im Auto sitzen haben!) Hierfür gabs als Antwort z.B. 30, 60, 90 oder 180 Tage

Also kurz gesagt, es geht nicht darum zu beantworten „Was bedeutet dieses Verkehrszeichen“, „Wer hat Vorfahrt“, etc. sondern, wie viel muss ich blechen, wenn ich nicht so fahre, wie ich es eigentlich sollte.

Ich habe mich dann das Wochenende mit den kompletten 160 Seiten des PDFs auseinandergesetzt und habe am Dienstag die gleiche Prozedur wieder durchlaufen und diesmal nur 2 Fragen falsch beantwortet. Der Test am Dienstag bestand eigentlich nur aus Fragen, die irgendwelche Strafen betrafen.

Ein zweites wichtiges Thema im Theorietest sind irgendwelche statistischen Erhebungen:

Wieviel % aller Unfälle auf dem Highway werden durch Alkohol am Steuer verursacht?

Um wieviel % kann das Verletzungsrisiko gesenkt werden, durch das Tragen eines Anschnallgurtes?

Und mein persönlicher Favorit unter den Fragen (habe ich am Dienstag auch falsch beantwortet)

Wieviele verschiedene Klassen an Führerscheinen stellt das RMV aus? Na, wenn das mal nichts ist, was jeder Fahranfänger unbedingt wissen sollte!!!



Bürokratisches Amerika oder die Frage, wie strapazierfähig sind meine Nerven?
20 August 2008, 17:07
Gespeichert unter: Anekdoten

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten angekommen, habe ich mir als erste Aufgabe gestellt, einen Mobilfunkvertrag abzuschließen, um in irgendeiner Art und Weise erreichbar zu sein. Ich muss dazu sagen, dass es in unserer Wohnung keinen Festnetzanschluss gibt, generell glaube ich, dass nur noch eine handvoll Amerikaner überhaupt so etwas Altertümliches besitzt. Außerdem haben wir derzeit noch kein Internet, was aber ab Ende dieser Woche anders werden soll. Daher habe ich mich gleich Sonntag auf den Weg zum Handyladen begeben (einer dieser Tage an denen ich mich unheimlich darüber freue, dass hier in Amerika auch Sonntag so ziemlich alles geöffnet hat). Im Laden angekommen habe ich mich innerhalb von 10 Minuten für ein Handy und einen Vertrag entschieden und die freundliche Verkäuferin fing gleich an, alle meine Daten ins System einzugeben. Reisepass und Visum habe ich vorgelegt und auch schon eingewilligt, dass ich für ein Jahr eine Kaution von $400 Dollar hinterlegen würde. Die Kaution kommt daher, dass ich hier in den USA noch keine ausreichende „credit history“ besitze (ich habe zwar eine Kreditkarte von der amerikanischen Bank, diese aber glaube ich noch nicht häufig genug eingesetzt), und der Mobilfunkanbieter jetzt erst mal ein Jahr gucken möchte, ob ich auch immer pünktlich meine Rechnung begleiche, bevor mir die Kaution zurück erstattet wird. Soweit also alles in Ordnung, nur hatte ich noch keinen Nachweis darüber dabei, dass ich jetzt hier in Boston wohne. Dieser Nachweis kann z.B. ein Schreiben von der Bank sein, auf dem mein Name und meine Anschrift stehen. Glücklicherweise war gleich bei meiner Ankunft hier in Boston ein Kontoauszug von der Bank and meine derzeitige Adresse geschickt worden, die ich kurz zuvor online angegeben hatte. Also habe ich im Handyladen gesagt, dass ich das Schreiben am nächsten Tag vorbei bringen würde und daraufhin würden sie mir dort das Handy freischalten und aushändigen.

Also begebe ich mich am nächsten Tag wieder in den Laden. Die Entscheidung, ob ein Handy freigeschaltet wird, liegt nicht in der Macht der Verkäufer, sondern in der des „credit departments“ (so haben die das glaub ich genannt). Ich bringe also den Kontoauszug mit meinem Namen und meiner Anschrift vorbei, eine Verkäuferin faxt es zum „credit department“ und wird kurz drauf von denen zurück gerufen. Jetzt sollte man eigentlich meinen, dass ich alles nötige vorgelegt habe. Sollte… Das credit department sieht das anders und sagt der Verkäuferin, dass ich noch einen zweiten Nachweis über meinen Wohnsitz vorlegen muss! Warum auch immer, so was muss man glaube ich als Normalsterblicher nicht verstehen. Die Verkäuferin fragt mich also, ob ich noch irgendetwas anderes habe, z.B. einen Mietvertrag oder eine Nebenkostenabrechnung. Habe ich natürlich alles noch nicht. Ob ich eine Massachusetts ID habe? Nein, woher denn, ich bin ja gerade erst hier hingezogen. Das alles sagt die Verkäuferin dem Menschen am anderen Ende der Leitung und motzt ihn gleich auch noch ein bisschen an und fragt, warum es den gerade erst hier hinziehenden internationalen Studenten so schwer gemacht würde, es wäre ja jedes Jahr das gleiche. Ich scheine also nicht die einzige zu sein, die hier Schwierigkeiten hat. Tja, leider kann sie auch nicht mehr machen und ich sage also, dass ich versuchen werde, eine Massachusetts ID zu bekommen und dann noch mal zum Laden zurück zu kommen.

Die Massachusetts ID (Mass ID) erhält man hier im „Registry of Motor Vehicles“ (RMV) und da war ich letztes Jahr schon mal, wegen genau der gleichen Sache und habe damals nichts erreicht, aber irgendwie hatte ich mir erhofft, dieses Mal mehr Glück zu haben. Das RMV ist im Zentrum von Boston und vergleichbar mit unseren Bezirksämtern. Die Wartezeiten sind genauso lang und das Personal mindestens genauso freundlich wie bei uns. Ich habe mich also Montag Morgen um 7.30 auf den Weg zum RMV gemacht und stand um 8h dort vor der Türe. Ich wusste, dass es erst um 8.30 öffnet, aber ich wollte gerne als eine der ersten da sein, was mir auch fast geglückt ist. Draußen vor der Türe standen erst so ca. 20 Leute und als um 8.30 die Tür aufgemacht wurde, hatte sich die Schlange noch einmal verdreifacht! Ich habe die Nummer 10 erhalten und musste ja sowieso erst das Formular ausfüllen. Die Mass ID gilt als Nachweis für meinen Namen, mein Alter, meine Unterschrift, sowie meine Anschrift hier in den USA. Um ein solches Dokument zu erhalten, wollte die Behörde vier Dinge von mir:

- meinen Pass oder meine Social Security Nummer (SSN)

- einen Nachweis über meine US Anschrift

- einen Nachweis über mein Geburtsdatum

- einen Nachweis über meine Unterschrift

Punkt eins war schnell abgehakt, hatte ich beides dabei: Reisepass und SSN. Als Nicht-Amerikanerin habe ich ja schon das große Privileg, eine Social Security Nummer zu besitzen. Diese Nummer gilt hier als Heiligtum, keine Ahnung womit man die bei uns vergleichen kann. Man braucht sie, um hier arbeiten zu dürfen, also vielleicht so etwas wie eine Sozialversicherungsnummer. Nur kann man hier mit dieser Nummer auch ein Bankkonto eröffnen und muss sie in verschiedenen anderen Situationen angeben. Jedenfalls besitze ich so eine Nummer und habe eine Karte, die ganz offiziell abgestempelt wurde und auf der auch meine Unterschrift zu sehen ist. Aber anscheinend ist diese Nummer gleichgestellt mit meinem Reisepass, jedenfalls wollte die fürchterlich kurz angebundene Dame hinter dem Schalter die SSN nicht als Unterschriftnachweis gelten lassen. Die US Anschrift konnte ich mit dem Kontoauszug von der Bank belegen. Als nächstes Dokument habe ich das I20 Formular vorgelegt. In diesem Formular ist festgehalten, warum ich mein Visum erhalten habe, es enthält: Name, Geburtsdatum, Unterschrift, Adresse der Uni und einen wunderschönen Stempel von der Einwanderungsbehörde (Department of Homeland Security). Dieses Formular war nun geeignet entweder meine Unterschrift oder mein Geburtsdatum nachzuweisen. Aber nur eins von beidem! Also hat sie mich wieder nach hause geschickt und gesagt, ich könnte wiederkommen, wenn ich einen weiteren Nachweis entweder über meine Unterschrift oder mein Geburtsdatum vorlegen kann. Das wundersame ist, finde ich, dass mein Reisepass (weltweit gültig) nicht ausreicht um gleichzeitig als Nachweis für meine Unterschrift und mein Geburtsdatum zu gelten… Wieder so eine Sache, die man nicht verstehen muss. Es gibt eine Liste von Dokumenten, die vom RMV akzeptiert werden, um mein Geburtsdatum oder meine Unterschrift nachzuweisen. Von den ersten 10 kommen für mich nur zwei in Frage: Reisepass und I-94, das ist ein kleines Stück Papier, dass in Boston am Flughafen in meinen Pass getackert wurde und auf dem steht, wann ich eingereist bin, welche Art von Visum ich habe und mein Name und mein Geburtsdatum. Allerdings gibt es vom RMV die kleine Zusatzbemerkung, dass der Reisepass und das I-94 nur als EIN Nachweis gelten. Natürlich, wäre sonst ja auch einfach und unkompliziert… Die restlichen acht Dokumente besitzt man nur als Amerikaner, daher für mich unbrauchbar. Dann gibt es weitere 13 mögliche Dokumente (z.B. amerikanische Scheidungsurkunde, amerikanische Heiratsurkunde, US military discharge papers – was auch immer das sein mag…) Von diesen 13 Dokumenten könnte ich mit viel Glück eventuell 2 auftreiben, eins würde von der Uni abhängen und meiner Einschreibung (die nicht vor dem 10. September geschieht) und das andere von meiner Bank und das wäre auch mit recht viel Aufwand und noch mehr Zeit verbunden. Allerdings bleibt mir wohl nichts anderes übrig.

Herzlich willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten…